Elektrischer Leuchtturm Borkum

Der kleine Borkumer Leuchtturm oder elektrische Leuchtturm liegt auf einer zehn Meter hohen Düne an der Südwestseite von Borkum und ist einer von drei Leuchttürmen auf Borkum. Er wurde 1888/1889 als Leuchtfeuer für die beiden Zulaufwasserstraßen der Ems, das Hubertgat und die Westerems (Westgat), errichtet. Der kleine elektrische Leuchtturm auf Borkum wurde am 1. Oktober 1891 offiziell in Dienst gestellt und im Sommer 2003 außer Dienst gestellt.


Kurzinfo zum elektrischen Leuchtturm


Deutschlands westlichster Leuchtturm steht auf der Westseite der Insel Borkum und erstrahlt in auffallender rot-weißer Farbe. Er liegt hinter der Dünenkette südlich des Zentrums von Borkum und ist von dort in 15 Minuten bequem zu Fuß zu erreichen. Am 11. August 2003 erlosch das Leuchtfeuer auf diesem Turm endgültig, nachdem das Wasser- und Schifffahrtsamt die Wartung des Leuchtfeuers zunehmend in Frage stellte. Der Leuchtturm dient aber weiterhin als wichtiges Bindeglied in der deutsch-niederländischen Radarüberwachung der Emsmündung und ist daher nach wie vor unverzichtbar.


Der Bau des Leuchtfeuers


Mit der umfangreichen Illumination der Ems in den Jahren 1887-1891 wurde auch dieser Turm errichtet (und ua die heute noch vorhandenen Baken und Leuchttürme Binnenrandzel, Campen, Pilsum, Knock), um der Schifffahrt den Weg zum Westeingang zu weisen bis zur Emsmündung. 1886 vergab das Wasserbauamt Emden den Bauauftrag an die Isselburger Hütte, die sich daraufhin durch den Bau weiterer großer gusseiserner Leuchttürme einen Namen machte: Dieser Hersteller zeichnete später auch für die bekannten Türme von Westerheversand, Pellworm, Hörnum, Büsum u Falshöft hingegen wurden bereits in runder Form gegossen.

Die Segmentelemente mit einer Wandstärke von 27 mm wurden vor Ort auf einer drei Meter hohen Grundmauer errichtet. Auffallend war die zweigeschossige Laterne, die nur einen Lichtausgang nach Westen hat. Die runde Turmkuppel über der Laterne war grün gefärbt, der Schaft des Turms war ansonsten schon damals in seinem markanten Rot-Weiß gestrichen.

Technische Innovation

Der kleine Borkumer Leuchtturm wurde als Prototyp einer Serie von neun in Deutschland gebauten Leuchttürmen in Fertigbauweise gebaut. Der Scheinwerfer besteht aus einzelnen 27 Millimeter dicken Gusseisensegmenten, sogenannten Tubings. Der Turm erreicht eine Gesamthöhe von 32 Metern.

Den Namen „elektrischer Leuchtturm“ erhielt er, weil er der erste Leuchtturm in Deutschland war, der für den elektrischen Betrieb gebaut wurde. Außerdem erhielt er ein eigenes kleines Kohlekraftwerk, das Strom produzierte. Das Baugleis, ein Abzweig der Borkumer Kleinbahn, der zunächst seinen Standort belieferte, blieb erhalten und dient heute der Anlieferung der notwendigen Kohle.


Der elektrische Leuchtturm im Laufe der Jahre


Sein Feuer wurde 1891 zum ersten Mal entzündet. Der Leuchtturm wird eine bewegte Geschichte hinter sich haben: Von Anfang an war dort eine elektrische Lichtquelle installiert, weshalb ihm die Borkumer Inselbewohner schnell den Spitznamen „Elektrischer Turm“ gaben zum 1879 erbauten Leuchtturm im Stadtzentrum, „Kleiner Leuchtturm“. Bis 1940 lautete der offizielle Name jedoch Neuer Leuchtturm, nach Borkum Leitfeuer. Er war auch der erste in Deutschland betriebene Leuchtturm mit elektrischem Stromanschluss. Zur Stromerzeugung wurde eigens ein Maschinenraum errichtet, in dem bis 1906 Dampfmaschinen Generatoren antrieben. Danach übernahmen zwei stationäre Einzylinder-Dieselmotoren 12 ch die Stromerzeugung.

Für den Turm wurde eine 1,20 m hohe Fresnel-Optik gebaut und an der Rückwand montiert. Da in der Nähe des Lichtaustritts Fischotterschirme zur Identifikation angebracht sind, sollte möglichst viel Platz zwischen Leuchte und Schirmen für eine klare Abgrenzung des Sektors verbleiben.

Insgesamt war der Betrieb des Leuchtturms sehr teuer. Mit elektrischem Strom betraten die Beamten Neuland, die damaligen Systeme erforderten die ständige Aufmerksamkeit der Wachen. Der Betrieb der Dampfmaschinen erforderte zudem einen großen logistischen Aufwand, weshalb der Leuchtturm zur besseren Kohleversorgung zeitweise an die Eisenbahn der Insel angeschlossen wurde.

Zur Erprobung eines drahtlosen Schiffsmeldedienstes wurde Ende 1899 neben dem Turm eine große Sendestation errichtet und am 28. Februar 1900 das erste Seefunktelegramm im Turm empfangen. Dadurch konnte eine Verbindung zum Feuerschiff Borkumriff aufrechterhalten werden , das 35 km entfernt war, und die Durchfahrt jedes Linienschiffs im Voraus anzukündigen. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Funktechnik sprunghaft.

1925 wurde die bisher verwendete Kohlebogenlampe durch eine Salpeter-Projektionslampe ersetzt, die wesentlich zuverlässiger arbeitete. 1937 schließlich stellte die Firma Goslar Weule ein neues Objektiv her.

1966 wurde die Ems für die nächste Generation der Seeraumüberwachung vorbereitet und Radar in größerem Umfang eingeführt. Dazu wurde der markante Dom des Scheinwerfers entfernt und an seiner Stelle der aktuelle Radaraufsatz verbaut. Vor dem Turm wurde 1968 eine Radarstation mit Richtfunkmast installiert. Die Radarkette wird nun von den Stationen Eemshaven (NL), Knock und Wybelsum unterstützt, wobei sich die Kreiszentrale im Radarturm Knock befindet.

1983 änderte sich das Turmfeuer weiter, als die weitreichenden Führungssektoren des Turms durch Sektorfeuer mit einfacher Präzision ersetzt wurden. Dazu wurde zwischen den beiden Bakenbereichen der Laterne ein kleines rundes Loch geschnitten, das auf der Laterne gut sichtbar ist.


Zusätzliche Aufgaben des Elektrischen Leuchtturms auf Borkum


Im Laufe der Zeit übernahm der kleine Borkumer Leuchtturm neben seiner Funktion als Leuchtturm für die Schifffahrt weitere Aufgaben. Im April 1894 wurde in Borkum eine Seetelegrafenstation eingerichtet, über die die Schifffahrt mit dem Personal des kleinen Leuchtturms Nachrichten über Flaggensignale austauschen konnte, die dann per Telegraf übermittelt wurden. Die Reichstelegrafenverwaltung war Träger der See-Telegraphenanstalt, das Königreich Preußen stellte das Leuchtturmpersonal und die Reichsmarine die Signaltechnik.

Im Mai 1900 wurde die erste offizielle Küstenfunkstation der Welt gegründet. Aufgabe der Küstenfunkstelle Borkum war der Schiffsmeldedienst, der in Zusammenarbeit mit dem Feuerschiff Borkumriff Meldungen von Schiffen übermittelte, die von ankommenden Schiffen auf dem Festland verlassen wurden. Die Leuchtturmwärter übernahmen die Leitung des Funkdienstes. Dies war die weltweit erste kommerzielle Funkverbindung.

1925 gab die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am kleinen Borkumer Leuchtturm eine Wasserstandsanzeige in Auftrag. Seit 1970 dient der Turm auch als Antennenträger für die Verkehrssicherungsanlage Ems, die in deutsch-niederländischer Zusammenarbeit betrieben wird.


Der elektrische Leuchtturm von Borkum auf der Karte



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